Peter Thiel not welcome

Peter Thiel wird am kommenden Donnerstag, den 24.9.2026 in Berlin den Axel-Springer-Award verliehen bekommen.

Der Vorsitzende des führenden Überwachungsunternehmens Palantir, ist nicht nur für seine zweifelhaften Investitionen bekannt, mit denen er ein Milliardenvermögen anhäufte, sondern verbreitet seit Jahren reaktionär-faschistische politische Standpunkte und krude theologische Theorien. Diese versucht er durch gezielte Einflussnahme auch politisch durchzusetzen. Er gehörte zu den ersten Tech-Unternehmern, die bereits 2016 aktiv Trump in seinem Wahlkampf unterstützten und bildet seither das zentrale Scharnier zwischen BigTech und Trumps MAGA-Bewegung. Der Vizepräsident J.D.Vance ist sein direkter Zögling und Thiel macht keinen Hehl daraus, dass er das Schicksal der Welt bevorzugt in den Händen einiger reicher Unternehmer aufgehoben sähe. In einer regelbasierten globalen Ordnung sieht er nicht weniger als den Antichrist und sein gesamtes Denken richtet sich fundamental gegen Aufklärung, Rationalismus und Demokratie.

Dass die Axel Springer SE ihren Preis an einen ausgewiesenen Antidemokraten und rechten Apokalyptiker vergibt, vermag angesichts der eigenen reaktionären Ideologie nicht weiter verwundern. Während die Blätter des Medienhauses eifrig gegen die Brandmauer zur AfD anschreiben, versucht sich ihr Vorstandsvorsitzender Mathias Döpfner laut Medienberichten als Kanzlerflüsterer – allerdings mit mäßigem Erfolg.

Doch die Preisverleihung ist nicht bloß die inszenierte Huldigung eines (Möchtegern-)Oligarchen durch einen anderen. Sie ist ein Sinnbild für die vollkommen schräge und verzerrte öffentliche Diskussion um grundlegende politische Weichenstellungen.

Denn just, während im Springer-Haus der rote Teppich für Thiel ausgerollt wird, werden die Grundlagen gelegt, dass seine Gesellschafts- bzw. Herrschaftsvision auch in Deutschland sukzessive umgesetzt werden – indem die gesetzlichen Grundlagen für den Einsatz von Palantir und Co gelegt werden.

Das von Peter Thiel mitgegründete Unternehmen Palantir, dessen Vorstandvorsitzender er weiterhin ist wird angesichts und das von der Axel Springer SE angesichts der Thielschen Demokratieverachtung und politischen Machenschaften geradezu zynisch als eines der „für die Resilienz von Demokratien wichtigsten Unternehmen unserer Zeit“ bezeichnet wird, ist Marktführer im boomenden Markt der polizeilichen Überwachungstechnologie.

Während sich in den USA immer deutlicher zeigt, dass die Technologie und ihr Einsatz durch staatliche Stellen wie der Migrationsbehörde ICE zu willkürlicher Verfolgung und der gezielten Unterdrückung politischen Protests eingesetzt werden, wird ihr Einsatz in Deutschland gerade im Bundestag und in einigen Bundesländern vorbereitet. Zwar finden sich selbst unter Innenpolitiker*innen außer dem Bundesinnenminister kaum noch offene Unterstützer*innen für die Produkte aus dem Hause Thiel – selbst die bayrische Staatskanzlei, die durch den Abschluss eines Rahmenvertrages und das öffentliche Propagieren der Software Gotham lange Zeit den besten Vertriebspartner Palantirs in Deutschland dargestellt hat, rückt langsam(!) ab.

Aber die Kritik an Palantir bleibt wohlfeil, wenn sie sich lediglich auf die Abhängigkeit von US-Unternehmen und ihre politisch zweifelhafte Führungsriege stützt. Denn es bringt sehr wenig, die Person Thiel abzulehnen, aber ihre politische Agenda – die datengestützte Kontrolle der Bevölkerung insbesondere durch umfassende automatisierte polizeiliche Analysemethoden flächendeckend umzusetzen. Entsprechende Software europäischer Anbieter, selbst wenn sie auf Open-Source-Lösungen basieren und von den Behörden selbst betrieben würde, würde dennoch tief in die individuellen Freiheiten der Bevölkerung eingreifen und sie zu Objekten obskurer technologischer Lösungsversuche gesellschaftlicher Probleme machen.

Leider zeichnet sich ab, dass diese dystopische Vision schon allzu selbstverständlich geworden ist – sowohl unter Innenpolitiker*innen als auch in der öffentlichen Diskussion. Und so bleibt zu befürchten, dass die Person Thiel zwar in Berlin auf breiten öffentlichen Protest stoßen wird, ihre Ideologie und Allmachtsfantasien aber in naher Zukunft die Praxis der Sicherheitsbehörden auch hierzulande grundlegend prägen werden.